Das bunte Treiben in eigener Sache
Aug 15, 06:51 AM
Kommentar?
Ich sitze in der Lobby des Hotels, in dem ich die kommenden 4 Tage verbringen werde. Vor mir steht bereits ein stilles Wasser, sowie ein Capuchino. Ich habe Zeit meine E-Mails zu bearbeiten, sowie mir Gedanken über die kommende Woche zu machen. Um mich herum herrscht heftiges treiben. Jede Menge Menschen bewegen sich aufgrund des schlechten Wetters innerhalb des größten australischen Hotel- und Casino-Komplex.
Nebenan an der Bar singt ein asiatisch anmutender Herr mit australischem Akzent US-amerikanische Lieder, was ziemlich häßlich klingt. Er steht dem Sänger meines vorherigen Hotels jedoch um nichts nach. Für ca. 300$ die Nacht kann man ja auch durchaus erwarten, dass der Sänger einen lokalen Akzent hat. Das Lied 1973 von James Blunt klingt dann so: “ … aähnt wie säingn – hiier wie go äigäinh… Ai will aowaihs bie in a klabb wizz yu in naihntinsävöntieszriea”. Selbst das ausschreiben des Akzents fällt mir schwer. Beim Pianisten des Vor-Hotels kam noch dazu, dass er die Lieder eher interpretiertes als zu versuchen sie originalgetreu wiederzugeben. Auch interessant, insbesondere, wenn man Kopfhörer dabei hat uns seine eigene Musik dabei hören kann.
Nachdem ich im ersten Hotel eingecheckt war und endlich den Bereich in dem man den Pianisten hören konnte, verlassen durfte, ging ich zu meinem Zimmer. Der Fernseher hatte ganze gefühlte 30cm Bilddiagonale und die Röhre des Gerätes gab, wie es sich für eine richtige Röhre gehört, röhrende Geräusche von sich. Nach 24 Stunden Flug-Atmo wollte ich duschen, was ich dann auch tat. Der Architekt hat vergessen eine Lampe im Bereich der Dusche anzubringen, sodass diese gerade etwas dunkel war. Wahrscheinlich hat deswegen die Putzfrau auch die noch in der Dusche befindliche Haarklammer nicht gefunden. Nach der Dusche war das Bad voller Dampf, sodass ich die am Spiegel befindlichen Worte “hollow man is following you”, die jemand daran geschmiert hat, lesen konnte.
Ich nahm es mit Humor, trocknete mich ab und packte meine Sachen aus. Danach wollte ich meine E-Mails am Laptop lesen, da die T-Mobile bekanntlich nette Roaming Gebühren für Daten hat. Ich fand eine Netzwerkdose, aber kein Kabel. Natürlich habe ich mein San-Francisco Westin 10m (denn das Kabel im Westin ist nur 1m lang) Kabel zu Hause gelassen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass es nun zur Referenz wird. In einer kleinen auf dem Tisch befindlichen Anleitung konnte ich lesen, dass die Steckdose auf dem Tisch auch gleichzeitig ein WLAN Adapter sei. Es gab tatsächlich WLAN, nur bekam ich keine IP. Ich rief also den Concierga an, um mich endlich wie ein richtiger Deutscher zu beschweren.
Dieser leitete mich weiter an den Internet-Helpdesk, der vom Provider gestellt wurde. Eine Dame wies mich darauf hin, dass man sich zuerst mit einem Kabel verbinden sollte, um dann WLAN zu erhalten. Es gingen ca eintausend Erklärungen in meinem Kopfe herum ,warum genau das gerade nicht funktionieren kann. Ich zog es jedoch vor mich zu bedanken und mich für meine Dummheit zu entschuldigen. Ich sah, dass der WLAN Adapter mit einem Kabel gefüttert wird. Dieses Kabel konnte ich entfernen und direkt in meinen Rechner stecken. Es war aber auch genau 40cm lang, sodass es so gerade eben in den Adapter passten. Nun stand mein Laptop direkt an der Wand. Ich bekam eine IP und kam online. War nur etwas unhandlich.
Vor mir nehmen gerade zwei Gruppen an zwei Tischen platz. Gruppe 1 bestehend aus zwei Männern die aussehen wie Moby und sein Manager und Gruppe zwei, bestehend aus zwei aufgebrezelten Pärchen. Letztere bestellen erstmal drei Martini und einen Weißwein. Mob und sein Manager trinken O-Saft und Kaffee.
Zum Kaffee gibt es Schokolade von Lindt. Ein Stück Heimat irgendwie. Neben dem singenden Mann gesellt sich ein anderer mit einer Ukolele (schreibt man das so?). Ich stelle mein iTunes lauter. Der Sänger hat nun sein Mikro in der Hand und hat einen energischen Gesichtsuasdruck. Scheint was herberes zu schmettern. Ich höre “Drive” in der Interpretation von “Blu mar ten” (original von “the cars”). Hatte ich eigentlich erwähnt, dass sie in diesem Hotel keine Reservierung für mich fanden? Ich schreibe erstmal der Dame, die mir eine Reservierungsbestätigung ohne Nummer zugesandt hatte, eine E-Mail. Die 4er-Bretzel-Crew geht auch schon wieder.

2 Stunden später. Moby ist weg. Der Karaoke-Imitator ebenfalls. Macht wohl Pause oder holt sich Tipps von Moby. Die 32 E-Mails meiner Inbox haben sich auf 10 reduziert. Der Reststrom meiner Batterie neigt sich auch dem Ende. Diese Hotels verstecken ihre Steckdosen immer ziemlich gut, sodass ich auf dem Boden herumkriechen muss. Ich muss meinen strategisch guten Platz aufgeben, da die Steckdose zu weit entfernt ist. Feld “Username” des Login-Dialogs der Telstra-WLAN bezahlmich-Seite trage ich “powerplugsearcher” ein. Nun kann Entourage auch alle Mails versenden. Der Sänger taucht mit seinem Partner wieder auf. Letzterer hat sich eine Sonnenbrille aufgesetzt. Vielleicht will er sich vor der schlechten Musik verstecken. Oder weil es aufgehört hat zu regnen und die Sonne zeitweise rauskommt. Vielleicht ist er auch erblindet von seiner eigenen Musik, was ich nicht wirklich für ihn hoffe.
